Wenn Blogger durch Kooperationen an Glaubwürdigkeit verlieren - auch ich Depp bin total drauf reingefallen
- Jürgen Baumelt

- 21. Apr.
- 3 Min. Lesezeit
Aktualisiert: vor 2 Tagen
Es gibt diese Momente, in denen man sich im Nachhinein einfach nur denkt: Das hätte ich besser wissen müssen. Genau so ein Moment war es, als ich mich von einem scheinbar überzeugenden Blogbeitrag eines deutschen Bloggers zu einem neuen Glatzenrasierer habe hinreißen lassen.
Eigentlich bin ich kein Mensch, der jedem Trend hinterherläuft. Ich habe meine Routine, meine Produkte – und die funktionieren. In meinem Fall war das ein bewährtes Gerät von Remington. Nicht perfekt, aber zuverlässig. Und vor allem: ehrlich in seiner Leistung. Doch dann kam dieser eine Artikel.

Ein Blogger, der den "neuen" Glatzenrasierer in den höchsten Tönen lobte. Alles klang durchdacht, ehrlich, fast schon begeistert. Besonders auffällig: Mein bisheriger Rasierer von Remington landete in seinem Ranking auf dem letzten Platz. Letzter Platz. Das hat gesessen. Denn wenn etwas, das für mich gut funktioniert, so schlecht abschneidet – dann muss das neue Produkt ja wirklich eine Offenbarung sein, oder?
Also ließ ich mich überzeugen
Die Website des Herstellers tat ihr Übriges. Modern, einladend, professionell. Überall positive Stimmen, dazu der Hinweis, dass das Produkt sogar bei „Die Höhle der Löwen“ gewesen sei. Marketing-technisch wurde hier alles richtig gemacht. Vertrauen aufbauen, Begehrlichkeit erzeugen, Zweifel im Keim ersticken.
Ich bestellte.
Der erste Eindruck war tatsächlich nicht schlecht. Verpackung hochwertig, Gerät solide, alles wirkte durchdacht. Genau so, wie man es sich nach all den Versprechungen vorstellt. Doch dieser Eindruck hielt nicht lange.

Schon nach den ersten Rasuren begann sich das Bild zu drehen
Die Rasur war nicht so gründlich, wie angepriesen. Ich musste mehrfach über dieselben Stellen gehen. Es dauerte länger als gewohnt. Und das Ergebnis? Unsauber. Unbefriedigend. Frustrierend. Mit jedem weiteren Durchgang wurde mir klar: Das hier ist kein Upgrade. Das ist ein Rückschritt.
Und irgendwann kam der Punkt, an dem ich es mir eingestehen musste: Dieses Gerät ist schlichtweg schlecht. Nicht ein bisschen schlechter. Nicht „anders“. Sondern einfach enttäuschend auf ganzer Linie.
Doch fast noch ärgerlicher als das Produkt selbst ist die Erkenntnis dahinter.
Denn je mehr ich darüber nachdachte, desto offensichtlicher wurde, was hier passiert ist. Dieser überschwängliche Blogbeitrag? Kaum vorstellbar, dass er ohne irgendeine Form von Kooperation entstanden ist. Zu einseitig, zu positiv, zu glatt. Kein echtes Abwägen, keine kritischen Töne – stattdessen ein Loblied, das mich letztlich zum Kauf bewegt hat.
Und genau hier liegt für mich das eigentliche Problem.
Nicht, dass ein Produkt schlecht ist. Das kann passieren. Aber wenn vermeintlich unabhängige Stimmen zu verlängerten Armen von Marketing werden, dann wird es problematisch. Dann geht es nicht mehr um ehrliche Erfahrungen, sondern um Verkaufszahlen.
Und genau deshalb ziehe ich für mich eine ganz klare Grenze
Ich werde niemals – wirklich niemals – Kooperationen eingehen, bei denen meine Meinung auch nur im Ansatz beeinflusst wird. Kein Geld, kein Produkt, kein Deal dieser Welt ist es wert, meine Glaubwürdigkeit aufs Spiel zu setzen. Denn am Ende ist genau das alles, was zählt: Vertrauen.
Was bringt es, ein Produkt schönzureden, wenn jemand anderes danach die gleiche Enttäuschung erlebt wie ich?
Diese Erfahrung war für mich eine klare Erinnerung daran, wie wichtig es ist, kritisch zu bleiben. Nicht jeder Hype ist berechtigt. Nicht jede Empfehlung ist ehrlich. Und nicht jede glänzende Oberfläche hält, was sie verspricht.
Manchmal ist das Alte eben doch das Bessere.
Und manchmal muss man einfach selbst auf die Nase fallen, um es wieder zu schätzen.



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