„Die besten Spare Ribs der Stadt“ – oder: Mit welcher Selbstverständlichkeit Wiens Lokale ihre Superlative servieren
- Jürgen Baumelt

- vor 5 Tagen
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Wer in Wien regelmäßig essen geht oder auch nur einen Blick auf die Webseiten und Speisekarten einschlägiger Betriebe wirft, kennt dieses Phänomen: Überall dieselbe große Show. „Die besten Spare Ribs der Stadt“, „unsere legendäre Stelze“, „unvergleichlich“, „einzigartig“ – online und auf der Karte klingt das oft wie die Anmoderation einer luxuriösen Werbeverkaufsfahrt. Es ist, als hätte sich halb Wien still und heimlich darauf geeinigt, gleichzeitig die Nummer eins zu sein. Eine beeindruckende Leistung, rein mathematisch betrachtet.
Was mich daran gleichermaßen erstaunt wie befremdet, ist weniger der Mut zur Selbstbeweihräucherung, sondern die Selbstverständlichkeit, mit der diese Superlative serviert werden – meist garniert mit einem ebenso stolzen Preisaufschlag. Denn wenn etwas „das Beste der Stadt“ ist, dann darf es offenbar auch ein gutes Stück mehr kosten. Logisch. Qualität hat ihren Preis. Nur stellt sich irgendwann die Frage: Wer kontrolliert eigentlich diese inoffizielle Stadtmeisterschaft?

Ich habe in Wien schon viele Stelzen gegessen. Wirklich viele. Knusprige, saftige, solche, die fast vom Knochen fallen, und andere, bei denen man eher das Gefühl hat, sie fallen einem zurück auf den Teller. Ähnlich verhält es sich mit Spare Ribs: von „ein Gedicht“ bis „ein zähes Kapitel“. Und weißt du, wo ich einige der besten Versionen davon gegessen habe? In Lokalen, die darüber kein großes Aufsehen machen. Keine riesigen Versprechen, keine marktschreierischen Slogans, kein „Best of Vienna“-Pathos auf jeder zweiten Seite der Karte.
Diese ruhigeren Betriebe haben etwas gemeinsam: Sie kochen einfach gut. Punkt. Ohne Trommelwirbel, ohne Marketingfeuerwerk. Da steht dann vielleicht schlicht „Stelze“ auf der Karte. Kein Titel, kein Orden, keine Auszeichnung. Und dann kommt ein Teller, der alles hält, was andere nur ankündigen. Saftig, würzig, ehrlich – und oft zu einem Preis, bei dem man sich fragt, warum man anderswo für weniger Genuss mehr bezahlt.
Denn seien wir ehrlich: Der Ausdruck „die besten … der Stadt“ ist inzwischen so inflationär wie ein Aperol Spritz an einem heißen Samstagabend. Wenn alles das Beste ist, ist am Ende nichts mehr besonders. Es ist ein bisschen wie bei diesen Menschen, die sich selbst als „sehr lustig“ beschreiben – meistens muss man dann selbst herausfinden, ob das wirklich stimmt.
Natürlich verstehe ich den Mechanismus dahinter. Aufmerksamkeit ist die Währung der Gastronomie, und wer nicht auffällt, geht unter. Aber irgendwo zwischen ehrlichem Selbstbewusstsein und lautem Eigenlob verläuft eine feine Linie. Und in Wien, so mein Eindruck, wird diese Linie gerne mit Anlauf übersprungen.

Das eigentlich Interessante daran ist aber: Die Gäste lassen sich davon immer weniger blenden. Viele haben längst ihre eigenen Favoriten gefunden – kleine, unscheinbare Lokale, die nicht mit Superlativen um sich werfen, sondern mit Qualität überzeugen. Orte, an denen man nicht das Gefühl hat, für ein Versprechen zu bezahlen, sondern für das, was tatsächlich am Teller liegt.
Vielleicht wäre es also an der Zeit für eine neue Ehrlichkeit auf den Speisekarten dieser Stadt. Wie wäre es mit: „Sehr gute Spare Ribs, finden wir zumindest“ oder „Stelze, auf die wir stolz sind – entscheiden Sie selbst“? Das hätte Stil. Und vor allem: Es würde neugierig machen, statt Erwartungen aufzublasen.
Bis dahin bleibt uns nur, weiter zu testen, zu vergleichen und hin und wieder über die großen Worte zu schmunzeln. Denn eines ist sicher: Wiens Gastronomie ist vielfältig genug, um echte Highlights zu bieten – auch ganz ohne Titelverteidigung. Man muss sie nur finden. Oft dort, wo am wenigsten darüber gesprochen wird.



Du denkst dabei wohl an das Strandcafe an der alten Donau und das Schweizerhaus?! In beiden Fällen würde ich zustimmen. Nur weil regelmäßig Promis eingeladen werden, die sich dafür für die Presse hinstellen, heißt das noch lange nicht, dass es hier die Besten Stelzen oder Spareribs gibt. Ist fast so ähnlich wie beim Marchfelderhof.