Eine Liebeserklärung mit einem Augenzwinkern an das Yumbo Center in Playa del Inglés, Gran Canaria
- 20. Feb.
- 3 Min. Lesezeit
Es gibt Orte auf dieser Welt, die haben eine doppelte Persönlichkeit. Dr. Jekyll und Mr. Hyde. Batman und Bruce Wayne. Und dann wäre da noch das Yumbo-Center in Playa del Inglés, im Süden von Gran Canaria. Tagsüber… na ja… sagen wir: funktional bemüht. Nachts? Ein schillerndes, lautes, glitzerndes Paradies für Gays, queere Menschen und alle, die schon immer einmal wissen wollten, wie es sich anfühlt, Teil einer sehr lebendigen Reality-Show zu sein.
Fangen wir ehrlich an: Tagsüber ist das Yumbo eher ein akustisch gut belüfteter Betontraum mit Souvenirshops, die seit 1994 auf Kundschaft warten, und Cafés, in denen man sich fragt, ob der Kellner schon beim Bau des Centers eingestellt wurde. Die Sonne scheint gnadenlos auf die Fassaden, und man denkt sich: „Das soll es also sein? DAS legendäre Yumbo?“ Ja. Aber Geduld. Sehr viel Geduld.

Denn sobald die Sonne untergeht, passiert etwas Magisches. Als hätte jemand einen riesigen Regenbogen-Schalter umgelegt. Die Rollgitter gehen hoch, die Musik wird lauter, die Lichter bunter – und plötzlich ist das Yumbo-Center nicht mehr wiederzuerkennen. Bars, Travestieshows, Restaurants, Shops, Cruisingareas, Gay-Clubs und Saunen – alles gleichzeitig, alles nebeneinander, alles völlig selbstverständlich. Ein Ort, an dem niemand schief angeschaut wird, außer vielleicht wegen der Sandalen-Socken-Kombination.
Travestiekünstlerinnen betreten die Bühne mit mehr Glitzer im Gesicht als ein Bastelladen im Ausverkauf. Gesungen wird live, playbackt wird mit Inbrunst, gelästert wird mit Stil. Und irgendwo dazwischen sitzt man selbst mit einem Drink und denkt sich: „Eigentlich ist Netflix überbewertet.“
Das Yumbo-Center ist eben nicht nur ein quirliges Einkaufs- und Ausgehzentrum, sondern längst auch ein international bekannter Treffpunkt für ein ganz bestimmtes Nachtleben: Hier findet sich – offen, selbstbewusst und ohne versteckte Andeutungen – auch das Vergnügen unter Männern.

Vor allem in den Abend- und Nachtstunden verwandelt sich das Center in einen lebendigen Hotspot der LGBTQ+-Szene, die genau diese Freiheit feiern. Wer hier unterwegs ist, merkt schnell, dass es weniger um Zurückhaltung geht, sondern vielmehr um Sichtbarkeit, Begegnung und das ungezwungene Ausleben von Vorlieben in einer Atmosphäre, die gleichzeitig ausgelassen, respektvoll und erstaunlich selbstverständlich wirkt.
Faszinierend ist die unterste Etage. Dort flanieren Männer im Kreis. Wirklich im Kreis. Runde für Runde. Wie bei einem sehr speziellen Queer-Marathon ohne Ziel, aber mit viel Augenkontakt. Währenddessen sitzen die Bargäste gemütlich erhöht, nippen an ihren Drinks und kommentieren das Geschehen mit einer Mischung aus Modekritik, Beziehungsanalyse und olympiareifer Lästerei. Ein Schaulaufen der besonderen Art. Man schaut – und wird geschaut. Man beurteilt – und wird beurteilt. Fair Play für alle.
Und ja, auch so mancher Hetero fühlt sich hier erstaunlich wohl. Besonders die Männer. Denn seien wir ehrlich: Wann wird man schon mal von anderen Männern von oben bis unten gemustert und denkt sich dabei nicht: „Hm… gar nicht so unangenehm.“ Ego-Boost inklusive, ganz ohne Fitnessstudio.

Das Yumbo ist schrill, sexy, laut, herzlich, manchmal ein bisschen drüber – und genau deshalb so liebenswert. Ein kleines Paradies, das sich nicht versteckt, sondern stolz sagt: „Ich bin so, wie ich bin.“ Auch wenn es an der einen oder anderen Stelle ruhig etwas Spachtelmasse oder ein frischer Anstrich sein dürfte. Aber mal ehrlich: Würde man einer Diva ihre Lachfalten vorwerfen? Eben.
Das Yumbo-Center ist kein Ort, den man einfach besucht. Man erlebt es. Man stolpert hinein – und geht ein paar Stunden später mit einem breiten Grinsen, müden Füßen und der festen Überzeugung hinaus, dass diese Welt bunter, lustiger und freier ist, als man manchmal glaubt. Und genau dafür liebe ich diesen Ort.



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