Ich mag Kinder – nur nicht ihre schlecht erzogenen Eltern
- Jürgen Baumelt

- 14. Feb.
- 2 Min. Lesezeit
Ich muss da wirklich mal etwas klarstellen. Ich bin nämlich nicht der kinderfeindliche Griesgram, als den mich manche offenbar sehen. Immer wieder höre ich Sätze wie: „Jürgen, du magst ja keine Kinder.“ Und jedes Mal denke ich mir: Doch. Doch, ich mag Kinder. Sogar sehr. Was ich nicht mag, sind Eltern, die ihre Erziehungsaufgabe irgendwo zwischen Fernbedienung und Smartphone verloren haben.
Kinder sind etwas Wunderbares. Sie sind ehrlich, direkt und herrlich unverstellt. Sie lachen, wenn ihnen danach ist, sie weinen, wenn etwas nicht passt, und sie sagen dir ins Gesicht, was sie denken – ohne rhetorische Schleifen oder diplomatische Rücksichtnahme. Diese Authentizität ist erfrischend. Kinder können sich noch über Kleinigkeiten freuen, sie haben Fantasie, Neugier und eine Energie, von der wir Erwachsenen oft nur noch nostalgisch träumen. Kurz gesagt: Mit Kindern ist die Welt oft ein gutes Stück echter.

Mein Problem beginnt nicht beim Kind. Mein Problem sitzt meistens einen Stuhl weiter – und scrollt.
Denn was ich zunehmend beobachte, ist weniger „moderne Erziehung“ und mehr ein betreutes Aufwachsen mit WLAN-Anschluss. Da werden Kinder nicht begleitet, sondern verwaltet. Nicht erzogen, sondern beschäftigt. Und zwar bevorzugt von Geräten, die zuverlässig alles können – außer Werte vermitteln.
Natürlich sind Kinder laut. Natürlich testen sie Grenzen. Natürlich machen sie Chaos. Das gehört dazu. Aber wenn ein Kind im Restaurant zum Hindernisparcours für das Servicepersonal wird, während die Eltern so tun, als wäre das alles Teil eines avantgardistischen Kunstprojekts, dann läuft da etwas schief. Und nein – das ist dann nicht „süß“. Das ist einfach nur respektlos gegenüber allen anderen, die sich gerade fragen, ob sie versehentlich in einer Indoor-Spielhalle gelandet sind.
Was mich dabei besonders fasziniert: diese fast schon panische Angst mancher Eltern vor dem Wort „Nein“. Als wäre es ein pädagogisches Gift. Statt klarer Ansagen wird diskutiert, verhandelt, erklärt, nochmal erklärt – und am Ende gewinnt trotzdem das Kind. Nicht, weil es überzeugender argumentiert hätte, sondern weil es gelernt hat, dass Ausdauer jede Form von Konsequenz schlägt.
Und währenddessen sitzen die Eltern daneben, schauen aufs Handy und sagen Dinge wie: „Wir wollen ihm nichts verbieten.“ Ja, merkt man.

Dabei geht es gar nicht um strenge Erziehung oder militärische Disziplin. Es geht um Präsenz. Um Aufmerksamkeit. Um das einfache Prinzip, dass Kinder Orientierung brauchen. Grenzen sind keine Schikane – sie sind ein Geländer. Und ohne dieses Geländer stolpert nicht nur das Kind, sondern oft auch das Umfeld gleich mit.
Ich habe absolut nichts gegen Kinder, die lebendig sind. Die lachen, toben, Fragen stellen und manchmal auch nerven. Das ist alles völlig normal. Aber ich habe etwas gegen Eltern, die ihre Verantwortung outsourcen – an Netflix, YouTube und das nächstbeste Tablet.
Denn am Ende sind es nicht die Kinder, die „schwierig“ sind. Kinder verhalten sich so, wie sie es gelernt haben – oder eben nicht gelernt haben. Und genau da liegt der Punkt, über den man vielleicht mal sprechen sollte, bevor man vorschnell sagt: „Du magst keine Kinder.“
Doch. Ich mag Kinder. Ich mag nur keine Gleichgültigkeit im Erwachsenenformat.
Und wenn das schon als unfreundlich gilt, dann ist das wohl so. Aber ganz ehrlich: Ein klares Nein zur falschen Stelle ist mir immer noch lieber als ein bequemes Wegschauen zur richtigen.



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