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Mein Besuch im Gaykino Wiscot am Lerchenfelder Gürtel in Wien - Erfahrungsbericht

  • Autorenbild: Jürgen Baumelt
    Jürgen Baumelt
  • 28. Jan.
  • 3 Min. Lesezeit

Aktualisiert: vor 10 Stunden

In letzter Zeit fällt mir etwas auf: Immer mehr Männern muss ich erzählen, wie es in einem Gaykino abläuft. Und ganz ehrlich: Ich verstehe diese Neugier. Gaykinos sind für viele so eine Mischung aus Mythos, Klischee und leicht nervösem Kopfkino. Man hat Bilder im Kopf, aber so richtig weiß man nicht, was einen erwartet. Genau diese Unsicherheit – gepaart mit Neugier – war für mich der Grund, das Ganze (erneut) selbst unter die Lupe zu nehmen.



Wiscot in Wien


Also habe ich mir gedacht: Bevor hier weiterhin wild spekuliert wird, gehe ich nochmal hin. Rein aus Recherchegründen. Natürlich. Diesmal ins Wiscot am Lerchenfelder Gürtel in Wien – um euch ein ehrliches Bild zu geben, ein bisschen die Angst zu nehmen und gleichzeitig vielleicht auch die Neugier noch ein Stück mehr anzustacheln.


Schon beim Eintreten merkt man: Das hier ist kein klassisches Kino mit Popcorn, Cola und höflichem Flüstern. Nein, das Wiscot (wie auch viele anderen Gaykinos weltweit) hat seine ganz eigene Atmosphäre. Dunkel, im Wiscot leicht verraucht (obwohl… Rauchverbot? Sagen wir mal: sehr flexibel ausgelegt) und mit einem Hauch von Verruchtheit, der sich sofort wie ein Parfum in die Nase legt. Nicht unangenehm – eher… sagen wir: charakterstark.



Gaykino Wiscot in Wien


Das Publikum? Ein faszinierender Mix

Männer von jung bis alt, geschniegelt oder lässig, schüchtern oder selbstbewusst. Vom südländischen Charmeur bis zum Wiener Grantler ist alles vertreten. Man entdeckt den Handwerker wie auch den Büromenschen. Und auch die sexuelle Orientierung scheint hier eher ein Spektrum als eine Kategorie zu sein: Gay, bi, neugierig, vielleicht auch einfach nur „mal schauen“. Kurz gesagt: Hier begegnet sich alles, was männlich ist und Lust auf ein kleines Abenteuer hat.



Gaykino Wiscot in Wien


Und dann beginnt die eigentliche Entdeckungsreise

Es gibt das Großraumkino – klassisch, aber eben nicht ganz. Dann kleinere Kabinen für diejenigen, die es etwas… privater mögen, meist verbunden mit einem Glory Holes. Und natürlich gibt es den sagenumwobenen Darkroom, der seinem Namen alle Ehre macht. Man sieht wenig, aber man spürt, dass hier Dinge passieren. Dinge, über die man später vielleicht schmunzelt oder schweigt – je nach Persönlichkeit.



Gaykino Wiscot in Wien


In den einzelnen Räumen spielt es auf den Bildschirmen (in meist schlechter Qualität) Sexfilme von Gays, von sogenannten Bären, von Jungs, von TV und Männer, Ledertypen,... Wobei auch hier die Bildschirme so langsam ausgetauscht werden. Schließlich wird das Publikum immer anspruchsvoller.


Besonders faszinierend: die Dynamik der Besucher. Manche bewegen sich fast verloren durch die Räume, als wären sie versehentlich in ein Paralleluniversum gestolpert. Andere hingegen wirken wie auf einer Mission. Zielstrebig, fokussiert, fast schon mit innerem Navi ausgestattet. Es ist ein bisschen wie eine Mischung aus Schatzsuche und sozialem Experiment. Der eine sitzt mit heruntergelassener Hose am Sessel, der andere stellt seine behaarte Brust zur Schau. Und manch einer denkt sich: Interessant!


Und dann diese Momente, in denen man sich selbst fragt: „Was mache ich hier eigentlich?“



Gaykino Wiscot in Wien


Wichtiges fast zum Schluss: Öffnungszeiten, Ort und Eintrittspreis

Der Eintritt liegt bei 13 Euro (Tagesticket), geöffnet ist täglich von 12 bis 24 Uhr. Davor befindet sich ein Sexshop – praktisch für alle, die entweder vorbereitet sein wollen oder danach feststellen: Der Abend ist noch nicht ganz vorbei. Das Wiscot befindet sich am Lerchenfelder Gürtel 45, nahe der U-Bahn Linie 6, Station Josefstädter Straße.


Was nehme ich also aus diesem Besuch mit?

Vor allem eines: Ein Gaykino ist weit weniger „beängstigend“, als viele denken – aber gleichzeitig deutlich… sagen wir: lebendiger, als man es sich vielleicht vorstellt. Es ist kein Ort, den man einfach erklärt bekommt. Man muss ihn erleben, um ihn zu verstehen.



Gaykino Wiscot in Wien


Und genau darum ging es mir mit diesem Selbstversuch: Euch einen ehrlichen Einblick zu geben. Die Hemmschwelle ein bisschen zu senken. Und vielleicht auch dieses kleine Kribbeln zu bestätigen, das viele verspüren, wenn sie das Wort „Gaykino“ hören.


Ob ich wieder hingehe?

Naja… sagen wir mal so: Wenn die Nachfrage meiner Leser weiterhin so hoch bleibt, muss ich wohl oder übel nochmal recherchieren.



Gaykino Wiscot in Wien


Mein persönliches Schlusswort

Ich mag das Wiscot. Es hat etwas angenehm Verruchtes, leicht Erotisches und gleichzeitig wunderbar Ungezwungenes – so eine Mischung, die man nicht planen kann, sondern einfach passieren lässt. Und ja, auch wenn das Rauchverbot dort eher als freundlicher Vorschlag verstanden wird als eine strikte Regel, gehört genau dieses kleine Chaos irgendwie dazu. Nach einem intensiven Besuch gilt ohnehin die goldene Regel: einmal Waschmaschine auf 60 Grad, einmal Dusche heiß durchlaufen lassen – und schon ist die Welt wieder sauber, klar und bereit für den nächsten Alltag.





 
 
 

2 Kommentare


Erwin
vor 16 Stunden

Cool geschrieben. Haben die keine Website? Kann nichts darüber finden.

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Jürgen Baumelt
Jürgen Baumelt
vor 8 Stunden
Antwort an

Hallo Erwin. Soweit ich informiert bin, hat das Wiscot keinen Internetauftritt.

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